Die Galaktische Föderation des LICHTS

DIE THULE GESELLSCHAFT

Thule-Gesellschaft

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Emblem der Thule-Gesellschaft

Die Thule-Gesellschaft war eine okkulte, antisemitische und völkisch orientierte Geheimgesellschaft, die kurz vor dem Ende des Ersten Weltkriegs im August 1918 in München gegründet wurde und in ihrer Hoch-Zeit rund 200 Mitglieder hatte. Sie wurde nach der in der griechischen Mythologie erwähnten Insel Thule benannt. Insbesondere im Jahre 1919 gab es zahlreiche Querverbindungen zur späteren Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). 1925 wurde die Thule-Gesellschaft aufgrund zahlreicher Mitglieder-Austritte und mangelnder Unterstützung aufgelöst.

Inhaltsverzeichnis

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Geschichte der Thule-Gesellschaft [Bearbeiten]

Entstehungsprozess [Bearbeiten]

Die alldeutsch und antisemitisch orientierte Thule-Gesellschaft wurde am 17./18. August 1918 mit der Bezeichnung „Thule Gesellschaft, Orden für deutsche Art“ von dem türkischen Staatsbürger Rudolf von Sebottendorf in München gegründet.[1] Hervorgegangen ist die Thule-Gesellschaft aus dem 1912 entstandenen Germanenorden.[1]

Versammlungsort der Thule-Gesellschaft war das Münchener Hotel „Vier Jahreszeiten“, dessen Inhaber, die Familie von Alfred Walterspiel, mit zum wichtigsten Gönner wurde.[1] Das Hotel galt schon während des Ersten Weltkriegs als bedeutendes Zentrum der nationalistischen Agitation des Alldeutschen Verbands.

Ideologie und Symbolik [Bearbeiten]

Die rassistische Ideologie der Thule-Gesellschaft war stark von Guido von Lists (Mitglied im Germanenorden) Ariosophie inspiriert. Als Emblem der Thule-Gesellschaft wurde ein Hakenkreuz mit Strahlenkranz hinter einem blanken Schwert gewählt. Die Gestaltung der Swastika als Symbol der DAP beziehungsweise NSDAP geht auf Friedrich Krohn, Mitglied des Germanenordens und der Thule-Gesellschaft, zurück.[2]

Ausdruck fand die Ideologie der Thule-Gesellschaft in den beiden Periodika Runen, die den Beititel Zeitschrift für germanische Geistesoffenbarung und Wissenschaften trug, und im Münchener Beobachter und Sportblatt, das später von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) übernommen und in Völkischer Beobachter umbenannt wurde.[1]

Die Thule-Gesellschaft wartete auf einen neuen Messias, der Deutschland zu seiner Bestimmung führen werde[3].

Mitglieder und Gäste [Bearbeiten]

Zu den Mitgliedern und Gästen gehörten Anwälte, Richter, Universitätsprofessoren, Polizeibeamte, Aristokraten, Ärzte, Naturwissenschaftler sowie reiche Geschäftsleute. Historiker beschreiben die Thule-Gesellschaft als eine konspirative Geheimverbindung mit rassistischer, speziell antisemitischer Gesinnung. Durch die Anwerbung von möglichst einflussreichen Mitgliedern sollte politische Macht gewonnen und rassistische und antisemitische Propaganda betrieben werden. Auf ihrem Höhepunkt hatte die Gesellschaft vermutlich einige hundert, zum Großteil gut betuchte Mitglieder.

Als gesichertes Mitglied der Thule-Gesellschaft gilt der Sportjournalist Karl Harrer, der zahlreiche Verbindungen zur Münchener Gesellschaft unterhielt.[4] Bei einigen Personen, die als Gäste dort gewesen sind, konnte die Mitgliedschaft nicht nachgewiesen werden; in der Literatur ist zum Teil recht diffus von „Mitgliedern“, „Anhängern“, „Teilnehmern“ und „Gästen“ die Rede. Nach Kershaw allerdings liest sich die „Liste der Mitglieder“ der Thule-Gesellschaft „wie ein ‚Who is who‘ führender Köpfe und früher Anhänger des Nationalsozialismus in München“.[5]

Keimzelle der NSDAP [Bearbeiten]

Der in der Nachkriegszeit immer wieder hervorgehobene Kontakt zwischen der Thule-Gesellschaft und Adolf Hitler bestand über die Deutsche Arbeiterpartei (DAP), der späteren NSDAP. Über die DAP versuchte die Thule-Gesellschaft auch die Arbeiterschaft für ihre politisch-okkulten Ideen zu gewinnen. In der Forschung gibt es keinen Beleg dafür, dass Hitler ein unmittelbares Interesse an der Thule-Gesellschaft gehabt haben könnte. Diesbezüglich gab es lediglich kurzzeitig Querverbindungen über die DAP.

Aufgrund der Entstehungsgeschichte der DAP und des Umstandes, dass einige ehemals führende Mitglieder bzw. Gäste der Thule-Gesellschaft auch in der NSDAP wieder auftauchen, kann gesagt werden, dass auch Teile der Ideen der Thule-Gesellschaft mit zum Bestandteil der NSDAP werden konnten. Zu diesen Personen wurden neben dem späteren NS-Chefideologen Alfred Rosenberg unter anderem Julius Streicher (später Herausgeber des Blattes Der Stürmer und fränkischer Gauleiter), Hans Frank (späterer Generalgouverneur von Polen) und Rudolf Heß (späterer Stellvertreter Hitlers) gezählt. DAP-Mitgründer Anton Drexler war es auch, der Hitler zur Verwendung des Hakenkreuzes als Zeichen der NSDAP anregte.

Am 30. Mai 1919 hielt Dietrich Eckart einen Gast-Vortrag vor der Münchener Thule-Gesellschaft. Teilgenommen hatten an der Veranstaltung auch Alfred Rosenberg, Gottfried Feder und Rudolf Heß.[6] Umstritten ist, ob Eckart und Rosenberg bereits zuvor, in der Folge dieser Versammlung oder überhaupt Mitglieder dieser Gesellschaft waren.[7] 1946 schrieb Rosenberg in seinem NS-Erinnerungsbuch, dass die Thule-Gesellschaft nicht politisch tätig gewesen sei, aber sie hätte ein besonderes Interesse für germanische Frühgeschichte und völkischen Okkultismus gehabt.[8] Er schrieb zudem, dass er in jener Zeit den Münchener NS-Verleger Julius Friedrich Lehmann kennenlernte, der Thule-Mitglied gewesen sein soll.[8]

Auflösungsprozess [Bearbeiten]

In den ersten Jahren hatte die Thule-Gesellschaft noch 200 Mitglieder, wobei insbesondere Sebottendorf stark ins Okkultistische abglitt, so dass am Ende weniger als 20 Mitglieder übrig blieben, die sich zu Gedenksitzungen versammelten.[1] Im Jahre 1925 wurde die Thule-Gesellschaft aufgrund mangelnder Unterstützung aufgelöst.[7]

Wirkungsgeschichte [Bearbeiten]

Mythen und Legenden [Bearbeiten]

Rund um die Thule-Gesellschaft rankten sich in der Nachkriegszeit viele, teils abenteuerliche Mythen, Legenden und Spekulationen, wie beispielsweise der Mythos der Reichsflugscheiben. Viele dieser Theorien entstammen dem Umkreis von Verschwörungstheoretikern wie Jan Udo Holey. So wurde wiederholt behauptet, dass die Thule-Gesellschaft intern eine stark okkulte oder gar satanische Ausrichtung besessen hätte. Jenseits einer gewissen Runen-Mystik konnte das aber nicht nachgewiesen oder belegt werden. Es gab auch unbelegte Behauptungen, wonach es noch einen inneren Orden, den Thule-Orden, gegeben habe. Auch für die Behauptung, dass Hitler selbst zu irgendeinem Zeitpunkt Mitglied der Thule-Gesellschaft gewesen sei, fehlen Belege.

Dietrich Bronder, dessen Berichte wissenschaftlich umstritten sind, stellte in seinem Buch „Bevor Hitler kam“ hingegen die Behauptung auf, der ehemalige Danziger Senatspräsident Hermann Rauschning bringe in seinem Buch Gespräche mit Hitler[9] Stellen, aus denen klar hervorgehe, dass Hitler „sich die okkulte Weltanschauung des Ordens zu eigen gemacht hatte und sich seiner Mission als „Zerstörer des Alten“ durchaus bewußt war.“ Die Rauschning-Zitate werden ihrerseits in ihrer Echtheit angezweifelt.[10]

Neofaschismus [Bearbeiten]

Mit dem Bezug auf die Thule-Gesellschaft verbinden sich im Neofaschismus, zum Teil auch im politischen Rechtsextremismus, völkisch-okkulte Denkweisen und zahlreiche antisemitische Verschwörungstheorien.[11] Weitere rechtsextreme Einrichtungen lehnten sich an den „Thule“-Namen an, so das Thule-Netz in den 1990er Jahren. Versatzstücke der völkischen Thule-Ideologie gibt es auch in anderer, die SS verherrlichender Literatur.

Der bekannteste Vertreter dieser Thesen im deutschen Sprachraum ist Jan Udo Holey alias Jan van Helsing in seinen Büchern über „Geheimgesellschaften“. Vergleichbares verbreiteten Wilhelm Landig[12] und Miguel Serranos [13] mit einem Mythos im Sinne eines „esoterischen Hitlerismus“.[14] Der Rechtsextremismusforscher Andreas Klump schreibt: „Hierbei werden esoterische Themenfelder wie Auffassungen der Reinkarnations- und Wiederauferstehungslehre vermischt mit der Verteidigung des historischen Nationalsozialismus.“[11] Klump sieht in der Thule-Ideologie und der Ariosophie, alt-germanischen Glaubensvorstellungen und völkischen Ideologiefragmenten einen „Rahmen für das (historische) völkische Denken, in dessen Tradition verschiedene heutige rechtsextremistische Organisationen stehen.“ Dazu zählt er die „Artgemeinschaft“ (Hauptfunktionär Jürgen Rieger, NPD) und den „Bund für Gotterkenntnis“. Mit Begrifflichkeiten wie „arteigene natürliche Umwelt“ seien diese anschlussfähig an „Teile der esoterischen Szene“.[11]

Der Einfluss völkischen Gedankengutes aus der Thule-Ideologie für die Neue Rechte zeigt sich auch an Aktivitäten wie dem rechtsextremistischen Thule-Seminar, das 1980 gegründet wurde. Ziel der Organisation sei die Zurückdrängung des Pluralismus und der Idee der „offenen Gesellschaft“: „Der Egalitarismus in seinen verschiedenen Varianten: Christentum, Judentum, Marxismus und Liberalismus ist Hauptursache für die tiefe Dekadenz der modernen Welt."[15]

Unterhaltungsmedien [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

Quellen

  • Rudolf von Sebottendorf: Bevor Hitler kam. Urkundliches aus der Frühzeit der nationalsozialistischen Bewegung. Deukula-Verlag, München 1933.

Historische Hintergründe

  • Reginald Phelps: Before Hitler came: Thule Society and Germanen Orden. In: Journal of Modern History XXV. 1963, S. 245-261.
  • Hellmuth Auerbach: Teil II: Lexikon: Thule-Gesellschaft, S. 1. Digitale Bibliothek Band 25: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Verlag Klett-Cotta
  • Joachim C. Fest: Hitler. Eine Biographie 2. Buch, 1. Kapitel: Teil der Deutschen Zukunft – Thule-Gesellschaft und Deutsche Arbeiterpartei. Ullstein Verlag, Berlin 1973.
  • Hubert Cancik: Neuheiden“ und totaler Staat. Völkische Religion am Ende der Weimarer Republik. In: Cancik (Hrsg.): Religions- und Geistesgeschichte der Weimarer Republik. Düsseldorf 1982.
  • Brigitte Hamann: Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators. 3. Aufl., Piper Verlag, München 1996, ISBN 3-492-03598-1.
  • Ian Kershaw / Jürgen Peter Krause: Hitler 1889–1936. 5. Kapitel: Der Bierkelleragitator. S. 173 ff. über die Vorläuferpartei der NSDAP und die Thule-Gesellschaft). 2. Auflage, Deutsche-Verlags-Anstalt DVA, Stuttgart 1998, ISBN 3-421-05131-3.
  • Franz Wegener: Heinrich Himmler. Deutscher Spiritismus, französischer Okkultismus und der Reichsführer SS. Kulturförderverein Ruhrgebiet, Gladbeck 2004, ISBN 3-931300-15-3.
  • Michael Hesemann: Hitlers Religion. Die fatale Heilslehre des Nationalsozialismus. 6. Kapitel: Trommler für Thule. Pattloch Verlag, S. 146 ff., München 2004, ISBN 3-629-01678-2.

Monografien

  • Hermann Gilbhard: Die Thule-Gesellschaft. Vom okkulten Mummenschanz zum Hakenkreuz. Kiessling Verlag, München 1994, ISBN 3-930423-00-6

Wirkungsgeschichte

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b c d e Ernst Piper: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe. München 2005, S. 44 f. und 46 f., ISBN 3-89667-148-0.
  2. Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus; Graz 22000, ISBN 3-7020-0795-4, S. 133f.
  3. http://www.relinfo.ch/thule/info.html
  4. Ernst Piper: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe. München 2005, S. 44.
  5. Ian Kershaw, Jürgen Peter Krause: Hitler 1889–1936. 2. Auflage, Stuttgart 1998, S. 183.
  6. Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Gra / Stuttgart, 1997, S. 132. (Quelle: Johannes Hering: Beiträge zur Geschichte der Thule-Gesellschaft, mit Maschine geschriebenes Skript vom 21. Juni 1939, Bundesarchiv Koblenz, NS 26/865.)
  7. a b Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Graz / Stuttgart, 1997, S. 189.
  8. a b Alfred Rosenberg: Letzte Aufzeichnungen, Göttingen 1955, S. 79 und 95. DNB (Bitte beachten, dass diese Schrift von seinem ehemaligen Mitarbeiter Hans-Günther Seraphim, Bruder von Peter-Heinz Seraphim, publiziert wurde. Dieser hatte partiell Passagen gestrichen, wie z.B. ein Vergleich mit diesem Buch zeigt: Serge Lang / Ernst von Schenck: Portrait eines Menschheitsverbrechers, St. Gallen 1947, DNB)
  9. Hermann Rauschning: Gespräche mit Hitler. 1938, Europa-Verlag, Zürich.
  10. vgl. Theodor Schieder: Hermann Rauschnings „Gespräche mit Hitler“ als Geschichtsquelle‎, 1972
  11. a b c Andreas Klump: Rechtsextremismus und Esoterik Verbindungslinien. Erscheinungsformen, offene Fragen. [1]
  12. Rüdiger Sünner: Schwarze Sonne. Entfesselung und Mißbrauch der Mythen in Nationalsozialismus und rechter Esoterik, Freiburg im Breisgau 1999.
  13. Friedrich Paul Heller / Anton Maegerle: Thule. Vom völkischen Okkultismus bis zur Neuen Rechten. 1995
  14. Joachim Körber: Manche mögen’s kalt. Mythen der alten und der neuen Rechten: die Welteislehre und die Atlantissage. Jungle World Nummer 19 vom 30. April 2003. Dossier [2]
  15. Pierre Krebs: Das Deutschtum am Scheideweg: Identitätsschwund oder ethno-ontologische Neugeburt?. In: Elemente Nr. 6 1998, S.17; Zitat wiedergegeben in: Uwe Backes: Gestalt und Bedeutung des intellektuellen Rechtsextremismus in Deutschland. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Band 46 (2001), S. 28.

Thule-Gesellschaft, 1918-1933

Bayerische Tarnorganisation, hervorgegangen im August 1918 aus dem Germanenorden. Unter der Leitung von Rudolf von Sebottendorff (1875-1945) wurde sie nach dem Sturz der Monarchie 1918 zur wichtigsten gegenrevolutionären Kraft in München und entwickelte sich weiter zur zentralen Wegbereiterin der nationalsozialistischen Bewegung. Ihr Symbol war das Hakenkreuz hinter einem senkrecht stehenden, blanken Schwert, ihr Gruß "Sieg und Heil". Presseorgan der Thule-Gesellschaft war der Münchener Beobachter. Bis Mitte der 1920er Jahre verlor die Thule-Gesellschaft stark an Bedeutung, 1930 wurde sie aus dem Vereinsregister gelöscht. Mehrere Neugründungsversuche, zuletzt 1933, blieben erfolglos.


Artikel von Hermann Gilbhard

Ein Abenteurer an der Spitze der Gesellschaft: Rudolf von Sebottendorff

Der Führer der Thule-Gesellschaft, der sich Rudolf von Sebottendorff (1875-1945) nannte und in Wirklichkeit Rudolf Glauer hieß, wurde am 9. November 1875 in Hoyerswerda geboren. Nach einer abgebrochenen Ingenieursausbildung fuhr er zur See und hielt sich dann einige Jahre in der Türkei auf, wo er sich der Esoterik und dem Okkultismus widmete. 1913 kehrte er nach Deutschland zurück und behauptete, er sei in der Türkei von einem Baron von Sebottendorff adoptiert worden. Der Geburtseintrag in Hoyerswerda enthält aber keinen Vermerk einer Adoption. Im Jahr 1916 stieß Sebottendorff zum "Germanenorden", für den er mit viel Geld aus unbekannten Quellen in Bayern aktiv wurde.

Quartier im Münchner Nobelhotel "Vier Jahreszeiten"

Im August 1918 gründete Sebottendorff die Thule-Gesellschaft. Sie fand eine noble Unterkunft im Münchner Hotel "Vier Jahreszeiten", wo Sebottendorff einige Räume mietete, die durch einen Seiteneingang von der Marstallstraße zu erreichen waren und genügend Platz für die "Germanenloge" boten. Die Gesellschaft stand in deutlichem Gegensatz zu den Freimaurern, kopierte aber deren Organisationsform. "Thule", das Wort für ein sagenhaftes Land im Norden, diente als Deckname. In den "Vier Jahreszeiten" brachte Sebottendorff auch das Büro der Thule und die Redaktion ihrer Zeitung unter: "Münchener Beobachter" hieß das antisemitische Blatt, das auch die Veranstaltungen in den Räumen der Gesellschaft ankündigte - womit sie allerdings vom ursprünglichen Ziel der Tarnung abrückte. Der Münchener Beobachter wurde im Dezember 1920 unter dem neuen Titel "Völkischer Beobachter" an die NSDAP verkauft.

Kampfbund Thule

Nach der Proklamation des Freistaates Bayern am 8. November 1918 wurde der "Kampfbund Thule" als militärischer Arm der Gesellschaft gegründet. Sebottendorff erklärte: "Jetzt herrscht unser Todfeind: Juda. (...) Jetzt heißt es kämpfen, (...) kämpfen, bis das Hakenkreuz siegreich (...) aufsteigt" (Sebottendorf, Bevor Hitler kam, 57-60). Der Thule ging es nicht um die Wiederherstellung der Monarchie, sondern um die Errichtung einer Diktatur auf rassistischer Grundlage. Ihr Kampfbund beteiligte sich im Dezember 1918 an den Vorbereitungen eines Staatsstreiches, der in letzter Minute verhindert werden konnte. Es handelte sich um die sog. Bürgerwehr-Affäre, die beinahe zum vorzeitigen Ende der Regierungskoalition aus MSPD und USPD geführt hätte. In den Räumen der Thule-Gesellschaft wurden mehrere Personen verhaftet, aber bald wieder freigelassen.

Die Thule-Gesellschaft als Zentrum der Gegenrevolution - Geburtshilfe für die NSDAP

Schon zu Beginn des Jahres 1919 versammelten sich unter dem Dach der Thule-Gesellschaft fast alle nationalistischen Gruppen, darunter auch der Alldeutsche Verband. In dieser Zeit leistete sie auch Geburtshilfe für die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) des Thule-Aktivisten und Sportjournalisten Karl Harrer (1890-1926), die sich später in NSDAP umbenannte. Sie sollte aber aus taktischen Gründen nicht als Thule-Schöpfung erscheinen. In der Thule-Gesellschaft schuf Sebottendorff auch ein Forum für spätere Größen des Nationalsozialismus wie Hans Frank (1900-1946), Rudolf Heß (1894-1987) und Alfred Rosenberg (1893-1946).

Aktivitäten während der Räteherrschaft

Bereits an dem fehlgeschlagenen Putsch der regierungstreuen "Republikanischen Schutztruppe" gegen die erste Münchner Räterepublik war auch die Thule-Gesellschaft beteiligt. Nach der Ausrufung der zweiten, kommunistischen Räterepublik am 13. April 1919 organisierte sie ein gut funktionierendes Nachrichten-und Spitzelsystem. Ihre Aktivisten fälschten Stempel der Räteorgane, sie schlichen sich in die bayerische Rote Armee und in die KPD ein. Die gesammelten Informationen wurden an die Regierung in Bamberg weitergeleitet. Die Kuriere fuhren als Eisenbahnbeamte. Der Bahninspektor und offizielle Thule-Vorsitzende Friedrich Knauf (geb. 1873) besorgte die notwendigen Ausweise. Am 26. April 1919 stürmte die räterepublikanische Militärpolizei schließlich das Hotel "Vier Jahreszeiten". Rund 20 Personen wurden verhaftet und ein Teil von ihnen in das Luitpoldgymnasium überstellt, das den Rotgardisten als Stützpunkt diente.

Der so genannte Geiselmord im Münchner Luitpoldgymnasium

Im Hof des Gymnasiums wurden am 30. April 1919 sieben aktive Thule-Mitglieder erschossen. Die jüdische Herkunft einiger Repräsentanten der Revolutions- und Rätezeit diente als Vorwand für die nun folgende antisemitische Hetzkampagne. Die Erschießung der Gefangenen am letzten Tag der Räteherrschaft ist fälschlicherweise als "Geiselmord" in die Geschichte eingegangen. Das Volksgericht München, vor dem im September 1919 der Prozess gegen die so genannten Geiselmörder stattfand, lehnte es ab, die politische Rolle der Thule-Gesellschaft zu untersuchen. Im Jahr 1933 schrieb Rudolf von Sebottendorff: "Es braucht nun nicht mehr verhehlt zu werden, dass jene sieben Thule-Leute nicht als Geiseln starben (...). Sie starben für das Hakenkreuz" (Bevor Hitler kam, Widmung).

Der Niedergang der Thule-Gesellschaft - Ein gescheiterter Comeback-Versuch 1933

Nach der militärischen Niederwerfung der Räteherrschaft zerfiel die Thule-Gesellschaft in rivalisierende Gruppen und spielte in der völkischen Bewegung nur noch eine untergeordnete Rolle. Sebottendorff zog von München nach Freiburg und anschließend nach Bad Sachsa im Harz. Dann verließ er Deutschland und lebte in der Türkei. Als Adolf Hitler (1889-1945) 1933 die Macht übernahm, kehrte Sebottendorff nach München zurück. Er fiel aber bald in Ungnade, da er in seinem Buch "Bevor Hitler kam" einen Anspruch darauf erhob, die Thule-Gesellschaft sei die Vorläuferin des Nationalsozialismus gewesen. Im Februar 1934 wurde er aus Deutschland abgeschoben. Er kehrte in die Türkei zurück und ertränkte sich angeblich aus Gram über die deutsche Kapitulation am 9. Mai 1945 im Bosporus.

Sebottendorff hat die Gegenrevolution in München organisiert; zugleich war er im deutschvölkischen Lager als Esoteriker und Okkultist bekannt. Dies führte zu einer sich hartnäckig haltenden Legende, wonach der Nationalsozialismus durch geheimnisvolle Kräfte entstanden sei, die sich der Thule-Gesellschaft als Orakel bedient hätten.


Literatur:

  • Hermann Gilbhard, Die Thule-Gesellschaft. Vom okkulten Mummenschanz zum Hakenkreuz, München 1994.
  • Heinrich Hillmayr, Roter und weißer Terror in Bayern nach 1918 - Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen der Gewalttätigkeiten im Verlauf der revolutionären Ereignisse nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, München 1974.

Quellen:

  • Rudolf von Sebottendorff, Bevor Hitler kam. Urkundliches aus der Frühzeit der nationalsozialistischen Bewegung, München 1933.

Weiterführende Recherche:

Externe Links:


Empfohlene Zitierweise:

Hermann Gilbhard, Thule-Gesellschaft, 1918-1933, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44318> (30.04.2008)